St. Nikolaus

Filialkirche mit Friedhof der Pfarrei St. Albert

im Pfarrverband St. Albert – Allerheiligen, 80939 München, St. Nikolaus Platz 1

Die alte Dorf- und erste Pfarrkirche Freimanns wurde schon um 1039 erwähnt. Ursprünglich der Hl. Margaretha gewidmet, wurde das Patrozinium im Jahre 1739 zu St. Nikolaus gewechselt. Im Jahr 1904 wurde St. Nikolaus zur selbständigen Pfarrei erhoben. Bis heute dient sie der Pfarrgemeinde als Werktagskirche.

Patrozinium: Heiliger Nikolaus von Myra, 6. Dezember

Gottesdienste: St. Nikolaus ist die Werktagskirche der Pfarrei St. Albert. Die Termine für die Gottesdienste sind im Gottesdienstanzeiger des Pfarrverbands angekündigt.

Aktuelle Gottesdienste

Bedeutung: St. Nikolaus ist die Kirche des ehemaligen eigenständigen Dorfes Freimann und bildet, mit dem sie umgebenden Friedhof, auch heute noch das Zentrum des Stadtteils Freimann im Münchner Norden. Der bemerkenswert fein gestaltete Turm dieser mittelalterlichen Chorturmkirche gibt dem 2014 neugeschaffenen St. Nikolaus Platz sein unverwechselbares Gepräge. Der Baukörper stammt aus dem 15. Jhd. Die Ausgestaltung wurde allerdings unter dem Einfluss der gesellschaftlichen und pfarreilichen Entwicklung mehrfach verändert, bis sie 1984 die jetzige Gestalt erhielt. Besonders erwähnenswert sind die beiden alten Glocken aus dem 14. Jhd. und eine historische Orgel des Hoforgelbaumeisters Franz Borgias Maerz von 1896.

Baugestalt

Die Chorturmkirche wurde im Kern im 14. Jhd. errichtet. Sie ist gegliedert in den im Osten stehenden Turm, an den nach Westen das Langhaus angebaut ist. Der mächtige Turm mit einer Grundfläche von ca. 5 x 5 m und einer Höhe von ca. 20 m ist in Backstein-Füllmauerwerk mit einer Stärke von etwa 1 m ausgeführt. Er beherbergt im Untergeschoß den mit einem rippenlosen Kreuzgewölbe überdachten Chor. Aufgesetzt sind zwei fensterlose Zwischengeschoße, das Glockengeschoß mit Glockenstuhl und Schallfenstern und das bekrönende Satteldach. Im Gegensatz zum Turm, der durch seine reiche beeindruckende ornamentale Verzierung - deutsches Band und Spitzbogenfriese - besticht, ist das Langhaus schlicht gehalten. Bei der großen Renovierung 1882 der Kirche im neugotischen Stil wurde sowohl die Raumhöhe vergrößert und eine mächtige Kassettendecke eingebaut als auch die Fenster neu in der Süd-, der Nord- und der Chorwand gestaltet. Bei der letzten bedeutenden Renovierung 1984 unter Hackelsberger wurde die vormals an der Ostseite des Turmes angebrachte Sakristei abgerissen und an der Nordseite des Turmes neu errichtet. Ebenso wurden die Fenster im Chor, der Zugang aus der Sakristei und der Innenraum neu gestaltet.

Führung

Altartisch, ein kubischer Ziegelblock, zeigt ein Fischfossil an der Vorderseite. Das Farbfenster in der Rückwand des Chores, Muttergottes mit Kind, trägt die Signatur "AD 84 J. Oberberger". Ebenfalls im Chor befindet sich die Figur [1] des sitzenden Hl. Nikolaus aus der 2. H. 17. Jh. Chorbogenkreuz [2] gefertigt um 1700.

(Nummern siehe Grundrissplan)

Innenraum

Über dem ehemaligen nördlichen Seitenaltar thront die "Himmelskönigin" [9], eine Holzfigur von Matthias Bayer um 1950-60, südlich, der Hl. Nikolaus [3], gotisch aus dem Ende des 14. Jh.

Auf der schlicht gehaltenen Empore befindet sich eine Orgel von 1896 des Hoforgelbaumeisters Borgias Maerz in bemerkenswert gut erhaltenem Originalzustand.

An der nördlichen Wand des Langhauses finden sich zwei Arme Seelen im Fegfeuer [8], 17. Jh., in der vergitterten Karnernische. Darüber Christus Pantokrator [7], gotisch 15. Jh., die Schmerzhafte Muttergottes [6], um 1700, Schwert und Tüchlein sind verlorengegangen. Das zu dem ehemaligen Ensemble gehörende Kruzifix befindet sich heute in Hl. Kreuz Fröttmaning.

Hl. Elisabeth [6] ist die letzte Figur an der Nordwand. Sie ist neueren Datums.

Die 12 Kreuzwegstationen an den Seitenwänden des Langhauses, die im barocken Stil gemalt sind, hingen früher in der nördlichen Seitenkapelle der Pfarr- und Ordenskirche St. Albert.

Zeittafel

Erbaut ca. 957 erste Erwähnung Freimanns: in der Freisinger Tradition von 948 und 957 steht: Engildo, Eigenmann des Bischofs Lambert von Freising, übergibt 3 Höfe und 4 Huben Ackerland.

ca. 1030 Bischof Egilbert im Tausch gegen Güter des Abtes Arnold von Weihenstephan auch eine zehentpflichtige Kirche "ad Frienmannum in marchia ottonis" aneignet. Diese Kirche, der Hl. Margaretha geweiht, war Filialkirche von St. Martin in Mallertshofen, später von St. Katharina in Garching.

ca. 1320 Bau der Steinkirche als Chorturmkirche, massiver Turm im Osten mit zwei Glocken, die zu den ältesten in Bayern gezählt werden, im Westen das Langhaus.

1504 abgebrannt im bayerischen (Landshuter) Erbfolgekrieg 1504. Der Turm blieb erhalten.

1632 ein zweites Mal abgebrannt im 30-jährigen Krieg und wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit wird über Reparaturen an der Kirche berichtet. Der Turm überdauerte.

1739 Wechsel des Patroziniums von St. Margreth von Antiochien (Fruchtbarkeit) zu St. Nikolaus. St. Nikolaus von Myra ist der wirksamste Schutzpatron bei Wassergefahr und Seenot. Häufige Hochwasserschäden durch die Wilde Isar waren wohl der Grund.

ca. 1809 Napoleonische Reiter lagern in St. Nikolaus, Napoleon kommt von Passau nach München.

1864 Dank einer hochherzigen Stiftung der Gräfin Maximiliane von Oyen-Perusa konnte eine Schulexpositur errichtet werden. Der Amtsinhaber war Seelsorger und Lehrer und man war nicht mehr auf den Pfarrer von Garching angewiesen.

1882 Grundlegende Renovierung der Kirche: Im Zeichen des Historismus wurde die Kirche regotisiert. Das Langhaus wurde erhöht, erhielt eine Flachdecke mit bundwerkartig angeordneten Balken, die barocken Fensteröffnungen wurden gotisiert und vergrößert, eine Kanzel an der Südseite angebaut, Chorbogen und Kreuzgratchor erhielten Ausmalungen; Chor und Turm sind ursprünglich erhalten. Vermutlich wurde auch die Leichenhalle zu dieser Zeit gebaut.

1886 Eine neue dritte Glocke wird gespendet: 448 kg.

1896 Einbau der Orgel von Franz Borgias Maerz (1848–1908) - 7 Register, ursprüngliche Windversorgung noch erhalten - im neogotischen Gehäuse, der Zeit entsprechend.

1904 Freimann wird unter dem Expositus Pfarrer Ludwig Merk zur selbständigen Pfarrei.

1917 Unter Pfarrer Benl wird die große Glocke als Materialspende feierlich am 20. November 1917 abgegeben.

1931 Freimann wird nach München eingemeindet.

1933 Die neue Pfarr- und Ordenskirche St. Albert wird eingeweiht. Und sie löst St. Nikolaus ab.

1937 St. Nikolaus wird zur Kriegergedächtniskapelle umgestaltet.

1953 vermutlich Abriss der Leichenhalle.

1957-60 Renovierung und erneute Umgestaltung als Kirche. Auf dem Dach werden die Schieferplatten durch Biberschwänze ersetzt. Als Hochaltarbild dient nun eine Kopie des Pähler Altars, geschaffen von P. Lucas OP um 1960.

1981-84 Generalsanierung: Ergebnis ist die heutige Gestalt, Anbau der neuen Sakristei und Abriss des alten Anbaus.

1999 Wandheizung als Schutz gegen Mauerfeuchte und zur Raumtemperierung wird eingebaut.

2006 Erneuerung des Innenanstrichs, Neugruppierung der Figuren, farbliche Betonung des Kreuzrippengewölbes im Chor.

Jetzt  Werktagskirche der Pfarrei St. Albert.

Literaturhinweis:
Wesentliche Quellen sind das Pfarrarchiv St. Albert, München Freimann.
Kleiner Kirchenführer: Die Kirchen der Pfarrei St. Albert, München Freimann, Schnell und Steiner, Regensburg 2006.

 St. Nikolaus um 1881, Zeichnung, Künstler unbekannt

F. Freyberger 2016