Hl. Kreuz

Filialkirche der Pfarrei St. Albert

im Pfarrverband St. Albert – Allerheiligen, 80939 München, Kurt-Landauer-Weg 8

Patrozinium: Kreuzerhöhung, 14. September

Gottesdienste: in der Regel das Gebet unter dem Kreuz am ersten Freitag im Monat um 18.00 Uhr, des weiteren Vorabendmessen, Vespergottesdienste, Andachten über das Jahr verteilt. Die genauen Termine entnehmen Sie bitte dem Anschlag an der Kirchentüre und aus dem Internet.

Aktuelle Gottesdienste

Bedeutung: Diese Kirche ist eine Dorfkirche im Stile spätromanischer Chorturmkirchen. Mitte des 20. Jhd. wurde das sie umgebende kleine Dorf restlos beseitigt und so steht sie heute als unverbrüchliches Zeichen eines festen christlichen Glaubens in einer künstlich gestalteten Landschaft. Sie ist das älteste Gotteshaus auf Münchner Stadtgebiet und die einzige romanische Kirche Deutschlands mit Bildmotiven, die direkt mit Kalk auf Ziegel gemalt sind. Aus dem Frühchristentum ragt somit die Fröttmaninger Kirche mit einem faszinierenden Bildprogramm in unser Jahrhundert hinein. Von einer schlichten, von den Bewohnern des Dorfes Fröttmaning getragenen Dorfkirche ist sie durch die Arbeit und die Mühen vieler Pfarrangehöriger zu einem verehrten und vielbesuchten Andachtsort in einer modernen Freizeitumgebung geworden.

Baugestalt

Typus einer mittelalterlichen Chorturmkirche, der typisch für die Region ist. Das eingeschossige Kirchenschiff misst circa 15 auf 7 m. Im Osten angeschlossen steht der knapp 15 m hohe rechteckige Turm mit Satteldach. Er beherbergt im Untergeschoss den ca. 3 m breiten und 3,5 m tiefen Chor. Außen- und Innenwände bestehen aus Ziegelmauerwerk; die Zwischenräume sind mit Feldsteinen und Mörtel aufgefüllt. Die massiven Mauern - sie sind ca. 1,10 m stark -, die schlichte niedrige Rundbogen-Eingangspforte und ein schießschartenartiges Fenster, im Inneren oberhalb des Eingangs der Kirche sichtbar, unterstreichen den Charakter dieser Wehrkirche. Der Turm wird durch Rechteckblenden gegliedert und durch Friese - Deutsches Band und Rundbogenfries - unterteilt. Die schmalen, spitzbogigen Zwillingsfenster im Obergeschoß wurden wohl im 15. Jhd. aus jeweils einem romanischen Rundbogenfenster zu ihrer heutigen Form umgestaltet. Die großen Fenster im Langhaus erhielt die Kirche wohl erst im Zuge der barocken Ausgestaltung.

Führung

1 Hochaltar: das Tafelbild mit der Kreuzigungsdarstellung Ende 17. Jhd., flankierende Figuren sind der Hl. Erasmus und Hl. Papst Sylvester, die Predella zeigt die Grablegung Christi. Über geradem Gebälk angebracht ist als Altarbekrönung ein gesprengter Dreiecksgiebel mit einer Herz-Jesu-Darstellung und mit je einem Engel mit den Marterwerkzeugen zu beiden Seiten.
2 Nördlicher Seitenaltar: in der Mitte der Hl. Sebastian, vermutlich um 1540 geschaffen, eine Leihgabe aus der alten Dorfkirche St. Nikolaus Freimann, Seitenfiguren sind der Hl. Georg und der Hl. Florian, beides Arbeiten Freimanner Schnitzer um 1983.
3 Chorbogen: Maria im Rosenkranz, dem Original nachgeschnitzt von R. Högl 1996.
4 Südlicher Seitenaltar: Schmerzhafte Muttergottes, vermutlich 17.Jh., Seitenfiguren die Hl. Katharina und der Hl. Clemens, beides Arbeiten Freimanner Schnitzer um 1983.
5 Deckenfresken: zentrale Darstellung der Kreuzerhöhung durch Heraklius, Kaiser von Byzanz, und den Patriarchen von Jerusalem, in den Medaillons auf der Chorseite der Hl. Franz von Assisi und der Hl. Franz Xaver und auf der Emporenseite die Hl. Magdalena und der Hl. Petrus, geschaffen 1736/40, wahrscheinlich aus der Schule Asam.
6 14 Kreuzweg-Tafelbilder an den Seitenwänden, vermutlich erste Hälfte 18. Jh.
7 Kruzifix, Mitte 18. Jh., Leihgabe aus der alten Dorfkirche St. Nikolaus Freimann.
8 Figur des Hl. Leonhard von R. Högl 1986.
9 Romanische Wandmalereien in Kalk direkt auf Ziegel gemalt, um 1100, Darstellung von Lebensbaum, Sonnenrädern, Trauben und weiteren, noch zu entschlüsselnden Symbolen.
10 Eine massive gefaste Eichenholzstütze, 17. Jh., trägt die Empore.
11 Holztüre, außen mit ausgeschmiedeten Pflugscharen beschlagen, ehemals zum Schutz gegen Feuer und Angreifer.

Innenansicht

Quellen: Freimann Die Kirchen der Pfarrei St. Albert, Verlag Schnell & Steiner 2006 – im Pfarrbüro erhältlich, Pfarrarchiv St. Albert, Berichte von Zeitzeugen, u.v.a.m.

Führungen: In der Zeit von April bis September finden einmal im Monat Kirchenführungen sonntags statt. Die aktuellen Termine finden Sie im Internet oder im Anschlag an der Kirchentüre. Termine für Gruppenführungen können über das Pfarrbüro St. Albert abgestimmt werden.

Zeittafel

6. Jh. vermutliche Entstehung von "Fredmaringun", d.h. Siedlung des Fridumar.
815 Situli, Nachfahre des Fridumar, erbaut eine Eigenkirche, die Bischof Hitto von Freising weiht. Situli und sein Sohn übergeben sie mit Land und Knechten als Schenkung. Aufgezeichnet in einer Schenkungsurkunde, datiert auf den 19.04.815.
11.–12. Jh. wahrscheinliche Entstehung der heutigen Hl. Kreuz Kirche als steinerne Wehrkirche und der einmaligen romanischen Wandmalereien.
14.–15. Jh. Hl. Kreuz erhält zwei Glocken, eine trägt die Inschrift: "hainrich cingiesser – anno 1423", vermutlicher Beginn der Wallfahrt zur Kreuzpartikel-Reliquie, Hl. Kreuz ist in dieser Zeit Filialkirche von St. Katharina in Garching.
17. Jh. Barockisierung der Kirche und Neuausstattung mit Altären und Kanzel.
1736/40 Deckenfresko entsteht.
1808 Eingliederung von Fröttmaning in die Gemeinde Freimann nahe bei München.
1904 Freimann wird eigenständige Pfarrei und Hl. Kreuz Filialkirche von St. Nikolaus in Freimann.
1931 Eingemeindung von Freimann nach München, Auflösung der dörflichen Struktur unter dem Einfluss der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Münchens.
1953-1958 Auflösung des Weilers Fröttmaning durch die Stadt München zugunsten von Großprojekten: Kläranlage, Müllberg und Autobahn. Abbruch der Anwesen in Fröttmaning und Übergabe der Ländereien an das städtische Gut Großlappen zur Bewirtschaftung. Bei der Kirche verbleiben zunächst eine Schafhalterin und ein Landfahrerlager. Sonntagsgottesdienste finden noch bis etwa 1962 statt.
1958-1971 Die isolierte und unbeaufsichtigte Kirche Hl. Kreuz wird ausgeraubt: wertvolle Bildwerke, Figuren, beide Glocken, Opferstock, etc. verschwinden oder werden zerstört, Hl. Kreuz verfällt zusehends.
1972 Rettung der Kirche vor dem Abriss, der infolge des Baus des Autobahnkreuzes München Nord geplant ist, durch das Engagement Freimanner Bürger; Beginn einer zehn Jahre dauernden Restaurierung.
1982 Abschluss der Renovierungsarbeiten, Weihe des Altars durch Weihbischof Ernst Tewes.
1984 Weihe zweier neuer Glocken, Spende von Pfarrangehörigen.
Seit 1984 regelmäßige Gottesdienste, wie Andachten und Hl. Messen, sowie zu besonderen Anlässen, wie Hochzeiten, Familienfeiern, Beerdigungen, etc. daneben Bittgänge, Wallfahrten wie auch ökumenische Feiern.
Seit 1986 Beerdigungen auf dem neugestalteten Friedhof.
Ab 2000 bis 2005 Planung und Bau der Allianzarena, 2006 Einweihung des Denkmals "Das versunkene Dorf", 2011 Einweihung der 7. Station "Tote begraben – Hoffnung geben" des ökumenischen Pilgerwegs im Münchner Norden.
19.04.2015 Jubiläumsfeier 1200 Jahre Hl. Kreuz Fröttmaning mit Kardinal Reinhard Marx.

F. Freyberger 2015